Mit ‘Werbeaussagen’ getaggte Beiträge

Autoren haben es gut! Wissen sie nicht, was sie schreiben sollen, löschen sie das leere Dokument einfach wieder.

Firmenchefs hingegen haben es schwerer. Ihr Dokument ist eine schier endlose Fläche, die sich nicht einfach so zum Verschwinden bringen lässt: Da sind Firmengebäude, Fahrzeuge, Verpackungen; überall muss etwas hingeschrieben werden.

Die Werbeaussagen klingen zwar professionell, sagen jedoch nichts aus. Beliebt sind Formulierungen wie „Kundenorientierte Strategie“, „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, Individuell wie Sie“ oder „Maßgeschneiderte Lösungen“. Auch der emotionale Imperativ wird gern genommen: „Technik, die begeistert“ rufen einem die Kleinbetriebe von ihren Lieferwagen zu, als löste diese Aussage tatsächlich Probleme und Begeisterung aus.

BELANGLOSIGKEITEN

Weitaus verstörender ist die Masse an Belanglosigkeiten, die Unternehmen ihren Kunden auf Webseiten, Prospekten und Mailings zumuten.

Da wütet eine Geschwätzigkeit von grauenvoller Banalität: kleinstgedruckt und in astronomische Länge gezerrt, weil die Firmenkommunikation tödlich daran krankt, dass sie jeweils von mindestens fünf Personen verantwortet wird, die sich dazu berufen fühlen, immer wieder einen neuen Aspekt hervorzuheben.

Nirgendwo sind Texte liebloser und stümperhafter geschrieben als in dieser Sparte, was nur teilweise darauf zurückzuführen ist, dass viele Leute, die für ihre Texte Geld bekommen, eigentlich Schläge kassieren müssten!

Das Problem liegt vielmehr darin, dass Unternehmen oft von Menschen geführt werden, die keine Ahnung haben, was sie über ihre Firma sagen könnten, und dann eben von anderen abschreiben, die wiederum den gleichen Kampf mit sich ausfechten – eine „Technik, die begeistert“.

NULLBOTSCHAFTEN

Und wäre das alles nicht schon schlimm genug, werden diese Nullbotschaften auch noch konsequent mit Bildern lachender Menschen versehen, was ebenfalls keine Aussage darstellt, im Verbund jedoch wie ein Kommunikationskonzept wirkt oder von einer schamlosen Agentur als solches verkauft worden ist.

Dennoch sind die meisten Unternehmen stolz auf den Qualm, den sie verbreiten. Darauf hingewiesen, dass sie einem mit ihren Texten nichts Wissenswertes erzählen, reagieren sie durchweg beleidigt und verweisen auf die „vielen positiven Reaktionen, die wir auf unsere Werbung erhalten“, was das Entsetzen schlagartig verdoppelt, denn offenbar kann das Volk schlechte Texte nicht von guten unterscheiden und auch nicht kluge Werbung von bescheuerter.

Das ist aus zwei Gründen kein Wunder: Erstens ist die Wahrnehmung der Menschen bei der Masse an Werbebotschaften längst völlig abgestumpft, und zweitens leben wir in einer Kultur, in der das Mittelmaß mangels echter Qualität gern zur Spitzenklasse hochgejubelt wird. Und das Traurigste dabei ist: Egal, wie schlecht ein Text sein mag – es findet sich immer einer, der ihn richtig gut findet.

Edwin E. Braatz Copywriter Gesundheit https://www.mailingpower.net

© 1998 – 2018 Edwin E. Braatz. Alle Rechte vorbehalten.
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Laut Wikipedia sind Nahrungsergänzungsmittel Produkte zur erhöhten Versorgung des menschlichen Stoffwechsels mit  Nähr- oder Wirkstoffen im Grenzbereich zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln. Sie fallen unter die Regelungen des Lebensmittel- und Futtergesetzbuchs (LFGB). Nahrungsergänzungsmittel unterliegen dem LFGB und sind nicht dazu bestimmt, Arzneimittelwirkungen zu entfalten, Erkrankungen zu heilen oder ihnen vorzubeugen. Nahrungsergänzungen dürfen in Deutschland keine arzneiliche Wirkung entfalten oder beanspruchen.

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Während Finanzprodukte keiner gesetzlichen Prüfung unterliegen und der Phantasie in der Werbung keine Grenzen gesetzt sind, werden Werbeaussagen und -Versprechungen über  Nahrungsergänzungsmittel durch die Verordnung EG Nr. 1924/2006 (Health Claims) streng geregelt. Siehe auch „Rechtlicher Rahmen für den Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln“ und „Nahrungsergänzungsmittel – Vertrieb über Ärzte und Apotheker.“

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Mailings für diese Produkte stellen an einen Texter hohe Anforderungen, denn sie müssen nicht nur einfühlsam und verkaufsstark, sondern auch extrem rechtssicher sein! Findet ein aufmerksamer Wettbewerber eine Formulierung, die dem Gesetz nicht entspricht, hat der Versender mit hohen Strafzahlungen zu rechnen. Aus meiner Texter-Praxis:

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In einem Mailing für einen Versender von Nahrungsergänzungsmitteln schrieb ich zum Beispiel: „… unterstützt Ihren Körper bei Hauptproblemen und Allergien.“ Prompt antwortete der Anwalt meines Kunden: „Sie müssen direkte krankheitsbezogene Aussagen vermeiden. Hautprobleme sind ein Krankheitsbild und dürfen nicht verwendet werden. Sie können Ihre Aussage so umschreiben: “ … unterstützend zur Erhaltung einer gesunden Hautstruktur.“

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In einem Mailing für einen anderen Kunden schrieb ich: “ … steigern Ihre Konzentrationsfähigkeit.“ Der Anwalt dieses Kunden sagte mir, dass eine solche Aussage gesetzlich angreifbar ist und deshalb umschrieben werden muss, zum Beispiel in: „… können Ihre normale Konzentrationsfähigkeit unterstützen.“

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Wichtig für Texter:

1. Die Werbeaussagen, mit denen die Hersteller Nahrungsergänzungsmittel anpreisen, dürfen nicht irreführend sein.

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2. Nicht gestattet sind Behauptungen wie die, mit einer angemessenen Ernährung sei die Zufuhr angemessener Nährstoffmengen nicht möglich, etwa weil die Böden in Deutschland so ausgelaugt seien.

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3. Ebenfalls verboten sind Aussagen, die sich auf die Linderung, Beseitigung oder Vorbeugung von Krankheiten beziehen.

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4. Es ist nicht zulässig, mit Aussagen von Ärzten oder Angehörigen von Heilberufen für ein Nahrungsergänzungsmittel zu werben.

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