Was Unternehmen Ihren Kunden zumuten

Veröffentlicht: 23. August 2018 in Allgemein
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Autoren haben es gut! Wissen sie nicht, was sie schreiben sollen, löschen sie das leere Dokument einfach wieder.

Firmenchefs hingegen haben es schwerer. Ihr Dokument ist eine schier endlose Fläche, die sich nicht einfach so zum Verschwinden bringen lässt: Da sind Firmengebäude, Fahrzeuge, Verpackungen; überall muss etwas hingeschrieben werden.

Die Werbeaussagen klingen zwar professionell, sagen jedoch nichts aus. Beliebt sind Formulierungen wie „Kundenorientierte Strategie“, „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, Individuell wie Sie“ oder „Maßgeschneiderte Lösungen“. Auch der emotionale Imperativ wird gern genommen: „Technik, die begeistert“ rufen einem die Kleinbetriebe von ihren Lieferwagen zu, als löste diese Aussage tatsächlich Probleme und Begeisterung aus.

BELANGLOSIGKEITEN

Weitaus verstörender ist die Masse an Belanglosigkeiten, die Unternehmen ihren Kunden auf Webseiten, Prospekten und Mailings zumuten.

Da wütet eine Geschwätzigkeit von grauenvoller Banalität: kleinstgedruckt und in astronomische Länge gezerrt, weil die Firmenkommunikation tödlich daran krankt, dass sie jeweils von mindestens fünf Personen verantwortet wird, die sich dazu berufen fühlen, immer wieder einen neuen Aspekt hervorzuheben.

Nirgendwo sind Texte liebloser und stümperhafter geschrieben als in dieser Sparte, was nur teilweise darauf zurückzuführen ist, dass viele Leute, die für ihre Texte Geld bekommen, eigentlich Schläge kassieren müssten!

Das Problem liegt vielmehr darin, dass Unternehmen oft von Menschen geführt werden, die keine Ahnung haben, was sie über ihre Firma sagen könnten, und dann eben von anderen abschreiben, die wiederum den gleichen Kampf mit sich ausfechten – eine „Technik, die begeistert“.

NULLBOTSCHAFTEN

Und wäre das alles nicht schon schlimm genug, werden diese Nullbotschaften auch noch konsequent mit Bildern lachender Menschen versehen, was ebenfalls keine Aussage darstellt, im Verbund jedoch wie ein Kommunikationskonzept wirkt oder von einer schamlosen Agentur als solches verkauft worden ist.

Dennoch sind die meisten Unternehmen stolz auf den Qualm, den sie verbreiten. Darauf hingewiesen, dass sie einem mit ihren Texten nichts Wissenswertes erzählen, reagieren sie durchweg beleidigt und verweisen auf die „vielen positiven Reaktionen, die wir auf unsere Werbung erhalten“, was das Entsetzen schlagartig verdoppelt, denn offenbar kann das Volk schlechte Texte nicht von guten unterscheiden und auch nicht kluge Werbung von bescheuerter.

Das ist aus zwei Gründen kein Wunder: Erstens ist die Wahrnehmung der Menschen bei der Masse an Werbebotschaften längst völlig abgestumpft, und zweitens leben wir in einer Kultur, in der das Mittelmaß mangels echter Qualität gern zur Spitzenklasse hochgejubelt wird. Und das Traurigste dabei ist: Egal, wie schlecht ein Text sein mag – es findet sich immer einer, der ihn richtig gut findet.

Edwin E. Braatz Copywriter Gesundheit https://www.mailingpower.net

© 1998 – 2018 Edwin E. Braatz. Alle Rechte vorbehalten.
Abdruck und Verwendung nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

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