Wie Sie beim Texten zielsicher auf den Punkt kommen

Veröffentlicht: 17. Dezember 2011 in Bessser Texten
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In diesem Artikel interviewe ich mich selbst zu einem Problem, das vielleicht das am schwersten zu behebende Problem unter allen Textern ist:


Weitschweifigkeit


Frage: Wie können Sie sagen, ob ein Text weitschweifig ist? Stellen Sie sich eine bestimmte Länge vor?

Antwort: Nein. Ein 1.000-Wort langer Text kann ein Muster für Weitschweifigkeit sein, während ein 300-Wort langer Text bereits schon doppelt so lang ist, wie überhaupt nötig.

Kraftvolles Schreiben ist immer kurz & knapp. Ein Satz sollte keine unnötigen Wörter beinhalten und ein Absatz keine unnötigen Sätze; aus dem gleichen Grunde wie ein Gemälde keine unnötigen Striche und eine Maschine keine unnötigen Teile!

Dies erfordert aber nicht, dass der Texter alle seine Sätze kurz macht, oder dass er alle Details meidet und seine Themen nur in Umrissen darstellt, sondern, dass jedes Wort etwas zu erzählen hat!

Frage: Halten Sie sich selbst an diesen Rat und meiden Sie Weitschweifigkeit?

Antwort: Nein. Vieles, wenn nicht das meiste von dem, was ich schreibe, ist weitschweifig. Deshalb schaue ich zuerst selbst, was ich weglassen kann, bevor ich auch nur ein Stück an den Verlag rausschicke. Im allgemeinen versuche ich, Worte bereits schon beim ersten Entwurf zu „trimmen“. Aber noch wichtiger ist, wieder und wieder neu zu schreiben, um die Ideen einfacher, den Lesefluss glatter und den Stil klarer und verständlicher zu machen.

Frage: Bringen Sie das immer zustande?

Antwort: Nein. Und auch anderen Textern, die ich kenne, gelingt das nicht immer. Aber das Redigieren des eigenen Entwurfes hilft dennoch sehr. Und wenn mein Redakteur aus meinem Text herausschneidet und umgestaltet, um so besser.

Meine Ansicht ist, dass es nur Amateure

übelnehmen, redigiert zu werden, Profis es aber

willkommen heissen!


Frage: Schlagen Sie vor, ein Texter soll seine Arbeit besser von einem strengen Menschen beurteilen lassen?

Antwort: Absolut. Auch wenn Sie, sagen wir, einen geschäftlichen Vorschlag, den Sie machen, mit Ihren Kollegen besprechen, schauen Sie nicht zu einer Ja-Person, sondern zu einer, die Ihren Vorschlag mit kritischen Augen sieht.

Frage: Woher kommt die Weitschweifigkeit?

Antwort: Sie liegt in der menschlichen Natur. Und so kommt oft schlechtes Schreiben zustande, weil wir vergessen haben, dass die wichtige Person der Leser ist … die Person an die Sie Ihren Text richten. Sie sollen keine Volksrede halten; sie sollen versuchen, eine bestimmte Person, oder eine bestimmte Art von Person von Ihrer Art zu denken, zu überzeugen.

Dabei müssen Sie alles daran setzen, leicht verstanden zu werden; ohne Schachtelsätze und Abkürzungen, einfach, klar, auf den Punkt gebracht. Auch wenn Sie ein Genie sind ist es besser, darauf abzuzielen, verständlich zu sein!

P.S.

Leonrado da Vinci, gerade wieder mal damit beschäftigt, aus einem groben Stein eine Skulptur zu  formen, wurde gefragt, wie aus diesem Stein eine Figur wird. Seine Antwort: „Die Figur ist schon fertig, ich muss nur noch den überflüssigen Stein rundherum wegschlagen!“

Edwin E. Braatz | Directresponse Texter

Ihr Feedback ist mir willkommen! Mochten Sie den heutigen Artikel? Welche anderen Themen möchten Sie in meinem Blogger gerne besprochen sehen? Lassen Sie es mich bitte wissen auf: eMail@braatz-text.de

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